EIOPA Stresstest: Zwischen europaweitem Fokus und nationalen Herausforderungen

Wie gut wären Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) derzeit in einem kritischen Marktumfeld aufgestellt, und mit welchen Szenarien müssen sich die Marktteilnehmer (noch) stärker auseinandersetzen? Diese zwei Aspekte standen am 8. März 2018 beim Senior Round Table der Pensions-Akademie im Fokus der Betrachtungen zweier Fachvorträge. Im Anschluss daran kam es zu einer regen Diskussion unter allen Teilnehmern.

Nachdem Barthold Kuipers, Principal Expert on Pensions Policy EIOPA, die Ergebnisse des jüngsten EIOPA’s Occupational Pensions Stress Test 2017 präsentiert und erläutert hatte, analysierte Janka Schuld (Senior Manager bei PwC PricewaterhouseCoopers AG) in ihrem Vortrag die wesentlichen Bestandteile des europaweiten Stresstests und verwies auf die Bedeutung zentraler Aussagen für das Risikomanagement der EbAV hierzulande.

Beitrag deutscher EbAV europaweit eher gering

Die Präsentation der EIOPA Stresstest-Ergebnisse brachte zweifellos zahlreiche interessante Aspekte zum Vorschein. Dennoch wurde ebenfalls ersichtlich, dass die Relevanz der deutschen EbAV für die europaweite Betrachtung eher bescheiden ausfiel. So spiegelte das Volumen der deutschen Teilnehmer lediglich 7 Prozent der gesamten Assets im Stresstest. Zum Vergleich: Die niederländischen EbAV trugen diesbezüglich mit 53 Prozent mehr als die Hälfte und EbAV aus Großbritannien ein gutes Drittel (34 Prozent) bei. Insofern haben auch die europaweit im zugrundeliegenden Extrem-Szenario ermittelten 702 Milliarden Euro Defizit in den Bilanzen aller Marktteilnehmer nur bedingte Aussagekraft für den deutschen Pensionsmarkt. Ein Fakt, der bis dato beispielsweise in der medialen Aufmerksamkeit für den jüngsten EIOPA Stresstest etwas untergegangen schien.

Stresstest-Ergebnisse sind individuell nutzbar

Allerdings lohnt sich eine detaillierte Betrachtung auch für die hiesige EbAV-Landschaft durchaus. Schließlich steht mit den aktuellen Stresstest-Ergebnissen eine Vielzahl an Details und Fakten zur Verfügung, die nunmehr gezielt genutzt werden können. Somit bietet eine „freiwillige“ Teilnahme an diesem alle zwei Jahre geplanten Check jedem Unternehmen oder jeder Organisation – sofern die hierzu notwendigen Kapazitäten aufgebracht werden können – schlicht eine Basis zur eigenen Standortbestimmung und für die regelmäßige Überprüfung des individuell gestalteten Risikomanagementansatzes und der hieraus resultierenden Ergebnisse. Auch empfiehlt es sich, nicht so sehr mögliche Defizite in den Fokus zu rücken (z.B. die doch sehr heterogenen Annahmen im Stresstest für die unterschiedlichen Aktienmärkte), sondern sich vielmehr darauf zu konzentrieren, welche Assetstrukturen (Risikoexposure) und proaktiven Entscheidungen vielleicht notwendig wären, um von vornherein etwaige Deckungslücken zu vermeiden oder zu schließen. Diese Herangehensweise empfahl dann auch die zweite Referentin und bezeichnete derartige „Szenario- und Sensitivitätsanalysen als probate Instrumente, um die individuelle Risiko-Exponierung transparent zu machen.“

Fazit:

Generell boten sowohl die eigentliche Ergebnispräsentation im europaweiten Rahmen wie auch die daraus abgeleiteten Aussagen für deutsche Marktteilnehmer zahlreiche Ansatzpunkte für die sich anschließende Diskussion. Angefangen vom lebhaften Diskurs über Aufwand und Output regelmäßiger EIOPA Stresstests bis hin zur eingeschränkten Relevanz für die deutschen EbAV machte dabei auch diese Veranstaltung der Pension-Akademie wiederum eines sehr deutlich: es gibt einen anhaltenden Informationsbedarf und weiterhin aufmerksame wie interessierte Marktteilnehmer.

Autor: Karl-Peter Bertzel, Beiratsmitglied Pensions-Akademie e.V.

Der nächste Senior Round Table ist für den 14. Juni 2018 vorgesehen. Nähere Informationen folgen.

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